Reif für die Insel??

 

Michelangelos Reisebericht zur „Crufts“ Dog Show in Birmingham England im März 2004

 

Leute, Leute – das war ein Erlebnis, da muss ich doch mal unbedingt berichten. Wer hier schreibt, na, ich die blaue Deutsche Dogge Michelangelo.

Schon mal was von der riesigen Hundeausstellung in England gehört, der Crufts Dog Show? Dort werden nur die schönsten, die allerschönsten Hunde ausgestellt und die Meldezahl pendelt seit Jahren immer um die 20.000. Für viele bleibt es nur ein „Wunsch“ oder Traum daran teilzunehmen, aber für uns wurde es Wirklichkeit. Deshalb berichte ich mal wie es dazu kam und was ich alles erlebt habe.

Erika (das ist mein Frauchen) meinte zum Abschluss meiner Ausstellungskarriere müsste ich unbedingt den Engländern mal zeigen, wie die Doggen hier auf dem Festland aussehen. Nun kann nicht jeder X-beliebige Hund an der Crufts teilnehmen. Dort sind nur außergewöhnliche schöne „Exemplare“ erwünscht. Hunde aus dem Ausland können auf einigen wenigen Internationalen Rassehundeausstellungen eine Qualifikation zur Teilnahme bekommen. Für die Qualifying Award Card muss man das CACIB und das BOB erreichen. Eine solche Berechtigung bekam ich schon in ganz jungen Jahren auf der Bundessiegerausstellung 2001 in Dortmund. Damals wurde ich auf der Bundessiegerausstellung „schönste Dogge des blauen Farbschlages und bekam das BOB!“ Frauchen meinte damals – verrückt – was sollen wir denn da? England ist zu weit, umständlich und überhaupt..... Und der Fall Crufts war für sie erst mal abgehakt.

 

Aber das sollte sich dann doch ändern, als ich im letzten Jahr auf der Intern. CACIB in Luzern/Schweiz schon wieder die Qualifikation bekam die Crufts Dog Show 2004 zu besuchen. Auf dieser Ausstellung erfüllte ich meine letzte Anwartschaft für den Schweiz. Ch. und erhielt das BOB und wurde schönster Rüde der Ausstellung. Bei den ganzen Unterlagen war wieder die „Qualifying Award Card“ zur Crufts. Zuerst war es nur eine Idee, die dann doch schnell Formen annahm. Für die Einreise nach Great Briten gibt es für uns Hunde bestimmte strenge Vorschriften! Das Ganze nennt sich: Pet Travel Scheme (PETS) – Bestimmungen über das Verbringen von Haustieren (Hunden und Katzen) nach dem Vereinten Königreich. Die genauen Bestimmungen kann man auf der Homepage der Britischen Botschaft, Berlin nachlesen. PETS wurde als ein Versuchsprojekt im Februar 2000 eingeführt. Bestimmte Reiserouten müssen eingehalten werden und nur einige Verkehrsunternehmen haben die Berechtigung die „Hunde und Katzen“ auf dem See-, Schienen- oder Luftweg zu transportieren.

Alle Tiere müssen mit Mikrochip versehen und gegen Tollwut geimpft sein. Die Tollwutimpfung kann erst erfolgen, wenn man mit einen Mikrochip gekennzeichnet wurde. Ich hatte natürlich noch keinen Chip! Aber durch diesen Chip bin ich jetzt unverwechselbar, amtlich registriert und jederzeit erkenntlich. Die Vorschriften sagen weiter, dass nach ca. 30 Tagen, nach erfolgter Impfung, der Tierarzt eine Blutprobe zu entnehmen hat, um sicherzugehen, dass das Tier auf die Impfung angesprochen hat. Das Blut muss in einem vom britischen Landwirtschaftsministerium zugelassenen Labor getestet werden. Hört sich ganz schön kompliziert an- oder? Wir hatten Glück, ein zugelassenes Labor befindet sich direkt in unserer Nähe in Gießen – das Institut für Virologie. Durch meinen Haustierarzt bekam ich das Blut abgenommen und Erika brachte die kostbare Flüssigkeit eigenhändig ins Labor.

 

Nach ein paar Tagen stand das Ergebnis fest: meine „Titer“ waren so hoch, dass es für zweimal gereicht hätte, sagte Erika. Somit war die erste wichtige Hürde für unser Projekt „Reif für die Insel“ genommen. Nach der Blutentnahme beginnt eine Wartezeit von 6 Monaten, ehe das Tier (in dem Fall bin ich das „Tier“) nach dem Vereinten Königreich verbracht werden darf.

 

Irgendwann im Dezember bekam ich so ganz nebenbei mit, dass man sich mal wieder über die „Crufts“ unterhielt. Es war die Sprache von Meldeschein und Unterkunft – Hotel, Ferienhaus und Wohnmobil und dass es jetzt langsam pressiert. Irgendwie bekam ich den Eindruck, dass es jetzt mit dieser außergewöhnlichen Reise ernst wurde und ich stellte mir schon mal vor, dass es im fernen England sicher viele hübsche Doggenladys gab und träumte schon von heißen Liebesspielen........

 

Das Meldeformular für die Crufts wurde auf der Webseite des Engl. Kennel Clubs (www.crufts.org.uk) gefunden und von Frauchen im Internet ausgefüllt und abgesandt. Sie sagt eine tolle Sache – auch das bezahlen des Meldegeldes geht alles „online“. Was immer das ist, es scheint „ihr“ Spaß zu machen. Zur Sicherheit hat sie dann alles noch mit der alten „gelben“ Post nach England geschickt.

 

Inzwischen hatte Erika erfahren, dass aus irgendwelchen Gründen auf den Parkplätzen des NEC Ausstellungsgeländes über Nacht keine Wohnmobile geparkt werden dürfen, deshalb fiel die Fahrt mit einem Wohnmobile flach. Die Zeit drängte und Erika ging auf die Suche nach einer Unterkunft. Ein Ferienhaus – in England heißt das Cottage – sollte gemietet werden, möglichst in der Nähe von Birmingham. Die Unterkünfte südlich von Birmingham waren fast alle ausgebucht. Anscheinend wollte Gott und die ganze Welt zur Crufts! Eine angemessene Unterkunft war nach einigen Mühen gefunden. „Sie“ buchte – nur wegen mir - ein großes hübsches Ferienhaus auf dem Lande. Auf der Homepage im Internet sah die Grove Cottage auf Grovefields Farm in Hampton Lucy recht vielversprechend aus.

Erika stöhnte nur ab und zu „English“ müsste man perfekt können und verdrehte die Augen, wie in den Momenten, wo ich mich nicht benehme? Mir schien, dass sie da ein Problem hatte...tzzzzz. Nun dieses English scheint die Sprache zu sein, womit sich die Leute auf der „Insel“ verständigen. Besorgt überlegte ich, dass es ja vielleicht sein könnte, dass dort die „blauen“ Ladys auch eine andere Hundesprache bellen! Na mal sehen, die Sprache der Liebe werden die dort schon verstehen!

 

Inzwischen war es schon Ende Februar als ich mit sämtlichen amtlichen Formularen und Dokumenten dem Amtstierarzt in Gießen vorgestellt wurde. Wir bekamen die „Tiergesundheitsbescheinigung für das Verbringen von Hunden und Katzen von Deutschland nach dem Vereinten Königreich im Rahmen der Haustier-Reiseverkehrsregelungen“! - die meine Einreise nach England erlaubte! Diese hat nun bis zum 07.08.04 Gültigkeit. Sollte ich nochmal nach England einreisen, dann muss ich immer termingerecht meine Impfung gegen die Tollwut erhalten, dann entfällt der Bluttest mit der Titerbestimmung. In dieser Zeit kam Post aus England und darin war die Anmeldebestätigung zur Crufts – die wollten mich tatsächlich sehen...... Irgendwie schien es jetzt bald los zu gehen, denn ich hatte irgendwo mitgehört, dass die Doggen, pardon wir heißen in England Great Dane, am 06. März gerichtet werden.

An einem Wochentag – ich dachte schon die große Fahrt beginnt, fahren wir doch schon wieder zu meinem Lieblingstierarzt und das, obwohl ich doch gar nicht krank bin? Ich grüble, und begucke mich ganz genau, an mir ist doch alles ok? Was hecken die denn jetzt schon wieder aus? Mutig gehe ich mit ins Sprechzimmer und warte auf die Dinge, die unweigerlich kommen werden. Ich soll eklige Tabletten schlucken und ein fürchterliches Stinkezeug wird in mein Fell geträufelt. Sie reden was von entwurmen, entflohen, entlausen und entzecken????.........

Ich kann euch versichern – ich hatte weder einen Wurm, einen Floh, eine Laus und schon gar keine Zecke! Aber Frauchen meinte, was sein muss, muss sein. Über diese Maßnahme gab es auch ein amtliches Papier mit Stempel und Unterschrift, das auch in die „dicke“ Mappe der Reisepapiere verschwand. Es war die Bescheinigung über die Behandlung gegen Ekto- und Endoparasiten im Rahmen der Haustier-Reiseverkehrsreglungen des Vereinten Königreiches. Auch dies ist eine weitere Bestimmung die sagt, dass man innerhalb von 24 – 48 Stunden vor der Einreise von einem TA gegen Bandwürmer und Zecken behandelt werden muss. Noch sehr wichtig: wenn man am Abfertigungsschalter (PET-Station) ankommt und seit der Behandlung weniger als 24 Stunden vergangen sind, muss man warten, bis die vollen 24 Stunden vergangen sind, bevor man einchecken kann. Liegt bei der Ankunft am Abfertigungsschalter die Behandlung bereits mehr als 48 Stunden zurück, muss das Tier erneut behandelt werden und eine amtliche Bescheinigung muss ausgestellt werden, allerdings heißt es dann wieder 24 Stunden warten....... Ganz schön kompliziert und umständlich, was? Hoffentlich bringe ich auf der Rückreise keinen Floh aus England mit......, meint Erika, nicht auszudenken – diese Katastrophe!

 

Bei mir dachte ich so, wenn das so weitergeht – trete ich in den Streik – ich wollte nun endlich fahren und die weite Welt weiter kennen lernen. Ich, als weit gereiste Dogge – kenne mich in vielen Ländern aus – und ich verreise gerne, denn unsere Reisen sind immer abenteuerlich und finden meistens mit Frauchens kleinem Auto statt. Sie sagt: Platz ist in der kleinsten Hütte, damit ist ihr Golf gemeint! Aber keine Angst, den meisten Platz beanspruche ich sowieso -   Bei längeren Fahrten, bekommt der Golfi (so nennt sie ihn manchmal) einen aerodynamischen Kasten aufs Dach geschraubt. Wenn das passiert, stöhnt bei uns zu Hause jeder! Anscheinend ist die Anbringung dieses Dingsda nicht so einfach und es gibt immer Diskussionen und alle haben eine Stinklaune. Bei unserer Reise nach England fuhren wir „ohne den Kasten“ – obwohl es anders geplant war. Das hatte zur Folge, dass meine beiden „Damen“ mit wenig Gepäck auskommen mussten!

 

Dann war der Tag unserer Abreise da, und als „meine“ Patentante Magda kam, wusste ich Bescheid – entweder Damenbesuch oder Reise! Na Euch kann ich es ja sagen, viel netter wäre ein kleines Liebesabenteuer mit einer hübschen Doggendame gewesen......

 

Unsere Reise begann am Freitag und ging Richtung Nordwesten an Städten vorbei, die ich schon von früheren Reisen kannte, über Belgien, Frankreich bis nach Calais. Irgendwo dort muss auch das Meer sein, das die Insel England vom Festland trennt. Frauchen hatte – schon wieder nur wegen mir – als Reiseweg über (nein, eigentlich unter) das Meer den Eurotunnel gewählt. Sie erklärten mir, dass wir mit dem ganzen Auto in einen Zug verladen werden und dieser Zug dann unter dem Meer durchfährt. Na, wenn das mal gut geht – überlegte ich skeptisch. Schließlich kenne ich das Meer aus meiner Heimat Italien, das kann manchmal ganz schön wild werden.

 

Bevor wir in den Zug einfahren durften, werde ich in der s. g. Pet-Station vorgestellt. Dort warteten schon einige Spezies von mir auch auf ihre Abfertigung. Meine Chipnummer wurde mit dem Lesegerät überprüft und die amtlichen Papiere genau studiert und kontrolliert. Dann musste noch eine Erklärung von Erika ausgefüllt werden, darin stand meine Chipnummer, wo ich herkomme, wo ich in England wohne, mit welchem Kfz ich fahre, alles höchst amtlich. Es war alles in Ordnung und wir bekamen einen riesigen Aufkleber den wir ins Auto hängen sollten. Nun wurde es auch höchste Zeit, dass wir uns samt Auto am „Bahnhof“ einfinden. Nach einigem Gekurve über ein riesiges Gelände mit Absperrungen und genau vorgeschriebenen Wegen, wurden wir in den Autoreisezug eingewiesen. Es war wirklich angenehm dieses Reisen unterm Meer und schnell (Frauchen sagt auch teuer!! – musste für mich extra bezahlen – ) Buchung übers Internet direkt bei www.eurotunnel.com kostet der Transfer in der Kategorie 3 Day Week hin und zurück 136,00 € plus Hund (egal wie groß) 45,73 € = 181,73 €.

Nach ca. 30 Minuten war die Zugfahrt zu Ende und wir durften mit unserem Auto aus dem Zug herausfahren. Wir verlassen „zügig“ das Terminal und suchen die richtige Straße. Erika sagte, so nun sind wir in England und jetzt gehen die Uhren 1 Stunde anders und gefahren wird ab sofort „links“. Also, ich habe als erfahrene „Autodogge“ sofort gemerkt, dass das Linksfahren gar nicht so schwer ist. Es geht einfach alles nur anders herum. Auch in England gibt es große Straßen, die man bei uns Autobahnen nennt. Neugierig sah ich, dass man Richtung London fuhr. Genau in Höhe von der riesigen Stadt London fing es dann auch an zu regnen und Erika meinte, es stimmt also, dass es hier soviel regnet. Weiter ging es Richtung Birmingham, denn dort sollte ja die Ausstellung stattfinden und dort in der Nähe musste „unsere Grove-Cottage“ sein, wo wir uns einquartieren wollten.

In der Nähe von Warwick – übrigens ein hübsches Städtchen mit Schloß, pardon Castle, verließen wir die Autobahn und machten uns auf die Suche nach unserer Cottage. Es gab von der Vermittlungsagentur „Country Holidays eine Wegbeschreibung – allerdings in Englisch. Ich dachte schon, dass meine beiden Damen das richtige Haus niemals finden! Inzwischen war es schon dunkel – aber ein heller Vollmond tauchte die ländliche Gegend in ein gespenstiges Licht. Nach einigen Fehlversuchen – es gab in der Gegend jede Menge von diesen Cottages, wurde das richtige Ferienhaus doch noch gefunden und entpuppte sich als wahres Pachtstück. Die Eigentümerin, Mrs. Clark, die nebenan im Herrschaftshaus auf Grovefields Farm wohnte, hatte bereits die Heizung angestellt, sogar der Kamin brannte – und welche Freude, es gab ein Willkommen-Paket, mit Bacon, Eier, Toast, Milch und Saft.

Tzzz..... an mich hatte Mrs. Clark nicht gedacht – war  ich  etwa nicht willkommen? Aber Erika hatte Vorräte für mich eingepackt, über die ich mich am späten Abend nach einem Mondscheinsparziergang noch hermachte. Geschlafen habe ich später wie ein Murmeltier, während meine beiden Damen noch versuchten sich für den nächsten Tag (Ausstellung!) herzurichten..... Ich verrate nur soviel – das Gerät mit dem warmen Wind, womit die Haare getrocknet werden – ging nicht! Es lag an der anderen Stromspannung oder was auch immer...... Sie haben komische Sachen an diesem Abend gemacht – Nun, wer schön sei will muss leiden. Frauchen hatte auf der ganzen Reise einen fürchterlichen Schnupfen und der war am nächsten Tag durch die nächtliche Tour auch nicht besser geworden.

 

Bis dann absolute Nachtruhe eintrat verging einige Zeit. Schon ganz früh klingelte der Wecker am nächsten Morgen – endlich war er da, der Tag an dem die Great Danes auf der Crufts gerichtet werden. Ich war sofort voller Tatendrang und verlangte nach einem Sparziergang! Es war herrlich draußen, viel Platz zum Rennen und die Ponys auf der Weide waren auch schon wach.

Zu futtern gab es an diesem Morgen für mich nichts. Na auch gut – da bleibe ich auch schlank und drahtig! Meine Damen waren ziemlich beschäftigt – besonders meine Magda hatte sich ganz schön schick herausgeputzt. Diese Crufts scheint ja wirklich was besonderes zu sein!. Ich bin von Natur aus hübsch und lege nicht so viel Wert auf Äußerlichkeiten. Wenn die sich so schick anziehen, nehmen sie mich vielleicht gar nicht mit? Diese Erfahrung habe ich schon gemacht! Aber als kluge Dogge lege ich mich strategisch geschickt vor die Ausgangstür, damit die mich ja nicht vergessen und warte ab..... Nachdem Erika fast zweimal über mich gefallen ist, sagt sie: den „Köter“ (welch böses Wort!) bring ich jetzt schon mal ins Auto – der liegt nur im Weg rum. Nun, meine Taktik ist aufgegangen und ich werde schon mal im Auto verstaut und nach und nach füllt sich dieses mit allerlei Ausstellungsutensilien und endlich starten wir zur weltberühmten Crufts.

 

Meine beiden Damen finden die richtige Straße nach Birmingham. Das Ausstellungsgelände, die NEC, ist riesig mit 19 Hallen und die Parkplätze auch. Geplant war das Parking auf einem Parkplatz ziemlich nah an der Halle 5. Hat aber nicht geklappt. Die Parkplatzeinweiser hatten eine andere Meinung. Einen Parkschein hatten wir schon – vorab per Internet angefordert und bezahlt.

Es gab auch einen Bustransfer vom Parkplatz zum Ausstellungsgelände. Aber wir gingen zu Fuß, damit ich noch etwas Bewegung habe.

Der Weg zur Halle 5 war ziemlich weit (aber nicht für mich, hö, hö!). Eine Einlasskontrolle wie bei uns üblich, gab es nicht – wir konnten ohne größeren Stau in die Halle. Hier waren schon einige Hunde, natürlich auch Doggen versammelt. Und siehe da, sie begrüßten mich in „meiner Sprache“. Ich versuchte sofort die Bekanntschaft einer hübschen „Blauen“ zu machen. Die süße englische Maus war genauso hübsch, wie die Mädels bei uns, allerdings hatte sie einen Maulkorb um, aber sonst sah sie wirklich ganz gut aus.......und ich versprach ihr, dass ich nochmal vorbeikomme, wenn die Gelegenheit günstig ist......

 

In der riesigen Halle 5 gab es 3 Ringe, einige Verkaufstände und natürlich Boxen für uns Hunde. Diese sind in England oben und nach vorne offen und sind erhöht aufgestellt. Magda ging auf die Suche nach einer freien Box. Diese wurde – publikumswirksam – direkt am Eingang des Doggenrings gefunden. Da die Größe der Box nicht meinen Bedürfnissen entsprach, wurde kurzerhand die Zwischenwand entfernt und ich konnte mich in 2 Boxen ausbreiten. Dort lag ich nun- und hielt Hof. Ihr glaubt nicht, wie viele Leute an meiner Residenz vorbeizogen. „Alle“ wollten mich streicheln und fragten meine beiden Damen nach mir aus. Die Besucher waren so entzückt von mir, dass ich doch einen neuen Namen bekam: Loveley Boy!

 

Zur Überraschung meiner beiden Damen, waren doch einige Bekannte aus der Doggenszene aus Deutschland und anderen Ländern angereist. Eine Dame aus Finnland hat mich sogar erkannt, sie rief ganz freudig: Ach, das ist ja Michelangelo! Toll – ich bin bekannt wie ein Filmstar........

 

Es waren sehr viele Doggen (237) gemeldet, fast alle aus England und es gab ganz viele gelbe Doggen. Zuerst wurde das junge Gemüse von der englischen Richterin, Mrs. Steiner, gerichtet. Nach einem Fehlstart – wir dachten unsere Klasse wäre schon dran, stand das Richten der Open Class bevor. Nun kam die Prozedur, die ich schon von anderen Ausstellungen kenne. Alle sind etwas aufgeregt, ich werde noch mal hergerichtet – was bei meiner Naturschönheit wirklich nicht nötig ist und Erika verschwindet .......Ich denke so bei mir, ach jetzt spielen wir wieder verstecken!

In der „Open Class“ (das ist die Klasse wo ich starten musste – obwohl ich ein anerkannter Champion bin) waren insgesamt 27 Doggenrüden gemeldet. Im Ring waren dann glaube ich 25. Auch was Neues - in England werden alle Farben zusammen gerichtet. Die Fellfarbe ist vollkommen egal. Natürlich war der gelbe Farbschlag in der Überzahl. Es gab 2 Blaue (davon war einer natürlich ich), ein Gefleckter, zwei Schwarze. Unser Ring war mit grünem Kunstrasenteppich ausgelegt. Sah ganz nett aus und ist nichts Neues – aber ich kann mich auch auf anderen Böden bewegen. Nun denn, die Show must go on! Ich marschiere mit Magda an der Leine strammen Schrittes in den Ring. Am Ringeingang versuche ich noch kurz mit einem netten gelben Doggenmädel anzubandeln – nein, sagt Magda, heute gibt’s keinen Sex! Uffa, strenge Sitten auf der Crufts!

Also reihen wir uns in die Runde der dort bereits in Positur stehenden Doggen ein. Da merke ich, dass doch einiges auf dieser „Crufts“ anders ist - keiner wirft irgendwelche Sachen in die Luft, keiner rennt hektisch kreischend um den Ring, kein Gummitier quitscht, kein lautes Rufen.... Upps.... es ist so still und Frauchen sehe ich auch nicht und trotzdem versuche ich sie ausfindig zu machen. Sie muss einfach dort irgendwo sein. Bisher hab ich sie immer gefunden. Ich strenge mich an und doch, ab und zu meine ich etwas Bekanntes zu hören......, schließlich hab ich gute Ohren. Ich versuche mich zu benehmen – denke mir - so dumm rum stehen, wie die anderen kann ich auch – und so eingebildet vornehm gucken (gucken = hessisch und heißt übersetzt schauen) schon lange! Es kommt einer nach dem anderen dran und wir stehen und stehen und ab und zu geht es einen Meter in der Runde vorwärts. Genau vor dem Richtertisch und der Richterin versucht Magda mich nun in Positur zu stellen. Ich werde von der Richterin abgetastet, muss mir ins Maul sehen lassen, sicher wegen der Zähne – dabei mache ich wie immer Sitz, was die Richterin ganz schön erstaunt. Danach darf ich auch hin und herlaufen. Natürlich bemühe ich mich ordentlich zu laufen – schade, dass der Ring nicht noch größer ist – meine Laufwerkzeuge sind in Ordnung, da hätte ich denen mal zeigen können, dass ich das sehr gut kann. Das war’s erst mal und da kommt auch schon ein weiterer Kandidat an die Reihe. Da merke ich, dass ich nicht alleine unter Fremden bin, nach mir werden aus meiner Heimat noch 2 Doggenrüden der Richterin vorgestellt. Das Richten unserer Klasse geht recht flott voran und als alle Rüden der Open-Class einzeln gerichtet sind, müssen wir uns noch einmal schön in Reih und Glied aufstellen und jeder Handler (so nennt man die Person die am anderen Ende der Leine steht) versucht seine Dogge richtig und vorteilhaft zu präsentieren. Angeblich üben die Engländer das jeden Tag! Ich denke bei mir – wie langweilig! Ich mache um des lieben Friedens mit, werfe mich in Positur, Brust raus, Kopf nach oben und stehe still und warte auf das (Todes-)Urteil der Richterin.

 

Wir kommen tatsächlich in die engere Wahl und unter die letzten 10 Auserwählten. Potzblitz..., damit hatte keiner gerechnet. Anscheinend ist es ein recht großer Erfolg unter die letzten 10 zu kommen. Zum Schluss stehen ganz vorne auf den ersten Plätzen die „Engländer“, alle die mit dem gelben Fell...... Jetzt dürfen die Fotografen ihre Fotos schießen. Das Richten unserer Klasse scheint beendet zu sein und endlich dürfen jetzt alle den Ring verlassen und da ist auch Frauchen wieder und lobt mich ganz kräftig, Ich merke sie ist stolz auf mich und alle freuen sich. Die Leute am Ring tätscheln und streicheln mich schon wieder und wieder höre ich „Loveley Boy“, obwohl ich doch Michelangelo heiße und sonst immer Mike gerufen werde! Na gut, ist ja auch ein schöner Name! Es gibt keinen Richterbericht oder Beurteilung und auch kein Erinnerungsgeschenk – schade eigentlich!

 

Inzwischen ist es schon Mittagszeit und es gibt viele Besucher, die auch an meiner „Residenz“ vorbeischauen. So langsam reicht es mir – und Frauchen geht mit mir ins Freie, damit ich mir mal richtig die Beine vertreten kann und schließlich muss ich auch mal Pieseln. Ich verkneife mir einen dicken Haufen an der Lösestelle (in der Halle, schön mit Sägespänen) abzulegen – wäre sicher nicht fein, auf solch einer Ausstellung. Wir kämpfen uns durch - immer Richtung Ausgang. Da haben wir einen Trick – ich an langer Leine und voran geht’s – ich schlängle mich durch sämtliche Leute und Frauchen hinterher – klappt immer – alle machen Platz! Es gibt auf dieser „Crufts“ jede Menge Verkaufsstände und alle kaufen, kaufen, kaufen....... nützliches oder auch unnützes Zeug!

 

Gegen 15.00 Uhr sind endlich alle Doggen gerichtet und die Sieger aller Klassen stehen fest. Wir wissen aber nicht mehr, wer die schönste Dogge war – ist ja auch nicht tragisch.... es war eine gelbe Dogge von der Insel.

Wir haben noch mehr interessante Leute getroffen. Frauchen hat sogar einen Welpen aus meiner letzten Produktion an eine Dame nach Athen vermittelt. Aber was mich besonders freut – eine blaue Lady will im Spätsommer zu mir auf Besuch kommen..... Na, ihr wisst schon was wir dann machen..........

 

Später dürfen wir die Ausstellung verlassen und finden auch unser Auto sofort wieder. An der Parkplatzausfahrt staut es, aber meine Damen sind schlau und finden einen anderen Weg....., das alles mit Linksverkehr, da kann ich doch nur staunen. Nach einer halben Stunde Autofahrt (– nicht auf der Autobahn, die zwei kennen sich echt gut aus!) sind wir wieder auf unserem hochherrschaftlichen Besitz angekommen und ich darf endlich mal richtig rennen und einfach nur Hund sein. Es gibt riesige Koppeln, auf denen etliche Pferde grasen, dabei auch ein paar Schafe und noch so allerlei Getier. Magda geht sofort an die Kochpötte und sie zaubert ein Menschenmenü. Ich bekomme leckeren Pansen mit Flocken und als Krönung Hühnchen und zum Nachtisch ein Brötchen (mag ich besonders.... mmmmm....). Die beiden quatschen sich den Mund über die Crufts fusselig, während ich mich genüsslich vorm Kamin räkele und selig von ganz anderen Sachen träume. Aus weiter Ferne höre ich wie die beiden beschließen am nächsten Tag, aber erst Mittags, loszufahren. Beruhigt schlafe ich ein, die werden mich schon mitnehmen......

 

So war es denn auch – Ich durfte natürlich wieder mit nach Deutschland. Eigentlich wäre ich gerne noch etwas länger geblieben – nebenan im Herrschaftshaus gab’s 2 nette Hundedamen, die mich besuchten. Na, ich bin dann doch lieber ins Auto gestiegen, versprach den Hundedamen aber, dass ich ganz bestimmt wiederkomme! Wir sind dann logischerweise wieder Richtung London auf die Autobahn gefahren. Fast hätten wir noch einen Abstecher in die Stadtmitte von London gemacht – sie haben sich verfahren! Helle Aufregung, die Fahrt mit dem Auto in die Innenstadt nach London kostet Gebühr! Deshalb machte man an der nächsten Ausfahrt einen gekonnten flotten Dreher.....Jetzt ging es erst mal wieder zurück Richtung Birmingham! Nach einem längeren Straßenkartenstudium wurde die richtige Straße nach Dover doch noch gefunden. Bei der Ausreise aus dem „Königlichen Land“ gab es auch keine Untersuchung mehr für mich, das ging jetzt ohne großen Aufwand, auch die Rückfahrkarte war schon gelöst. Die Reise unterm Meer im Autoreisezug ging wieder schnell und nach einer halben Stunde Fahrt hatte uns das europäische Festland wieder. Die Uhren mussten jetzt wieder eine Stunde vorgestellt werden..... Die Rückfahrt ging wieder über Frankreich und Belgien. In Belgien hatten wir einen netten Stau – es war Sonntag und viel los auf der Autobahn. Leider hat es auf der Rückfahrt öfters geregnet und es war kalt. Frauchen hatte keine Lust mit mir längere Sparziergänge auf zugigen Rastplätzen zu unternehmen.

 

Spät in der Nacht waren wir endlich zu Hause und das Projekt „Reif für die Insel“ war für uns beendet. Im April mache ich Urlaub in meinem Geburtsland Italien – da freue ich mich schon drauf! Meine Teilnahme an den hübschen Ausstellungen in San Remo, Monte Carlo und Frejus ist geplant. Letztes Jahr habe ich alle drei Ausstellungen gewonnen und wurde Sieger Mediterrane! Wenn ich Lust habe erzähle ich Euch davon auch mal.

 

Bis dann Euer Michelangelo

Cruft's 2004

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